Zeichnende Frauen aus China

Mit China Girls wagt sich Tokyopop auf neues Terrain und veröffentlicht eine Anthologie  mit Kurzgeschichten von ausschließlich chinesischen Zeichnerinnen. Viele unterschiedliche Zeichenstile und Inhalte fächern sich in dem Sammelband auf: Von gefälligem Mangastil bis zu klassischem chinesischem Stil der Mythologien, von feingliedrigen Aquarellzeichnungen bis zu eigenwilligen Bleistiftzeichnungen im funny Stil ist hier viel zu entdecken. Ein visuelles Feuerwerk bietet sich dem Leser dar. Auch inhaltlich  werden verschiedenste Themen berührt wie Liebeskummer, Freundschaft, das Zurechtfinden in der Gesellschaft, Essströrungen, psychische Erkrankung und die Mutter-Kind-Beziehung. Auch das Leben im Ausland wird auf verschiedene Weise aufgegriffen. Bei all diesen Inhalten fällt aber auf, wie sehr doch alles stets im Privaten gehalten wird. Er werden keinerlei politischen Aussagen getroffen, alles belibt auf einer persönlichen Ebene stehen. Zwar merkt man an einigen Stellen, wenn z.B. über Homosexualität gesprochen wird oder das Leben von Mädchen als Rockband, dass diese Erzählungen von einer neuen, jungen Generation Chinesinnen gezeichnet wurde, diese aber weiterhin und immer noch stark der Zensur unterworfen ist und nicht wagt, heikle Inhalte anzusprechen. Einzig die Geschichte von Coco hebt sich hervor, die in London Kunst studiert hat und sehr amüsant von den Unterschieden zwischen Europa und China berichtet.

Festzuhalten bleibt, dass China Girls eine sehr lesenswerte Kurzgeschichtensammlung ist, auch wenn einige Geschichten zeichnerisch wie erzählerisch deutlich Defizite aufweisen. Die meisten Künstlerinnen werden in diesem Band zum ersten Mal außerhalb Chinas publiziert, es sei ihnen also nachgesehen. Darüber hinaus war dieser Titel bei der Junge Medien Jury 2011, deren Comic und Manga Jury, kurz CoMa, ich betreue, der Geheimfavorit. Schlussendlich hat dann zwar doch Black Butler gewonnen, doch von China Girls waren die Kids sehr angetan. Funktioniert also sogar bei Jugendlichen, vielleicht ja auch gerade, weil es so unpolitische und höchst persönliche Geschichten sind.

Diverse: China Girls. Tokyopop 2010, € 19,95, ISBN 978-3-86719-870-7

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